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Wohlbrück Wilhelm August

Wahrhaftigen Gott, ich kann nicht mehr!

Von einem heitern Mittagsmahl,
Wo nach Belieben man konnt' wählen,
Wo's Speisen gab fast ohne Zahl,
Will ein Geschicht'chen ich erzählen. —

Ein dicker Herr sitzt an dem Tisch —
Er kann, ach leider! nichts vertragen —
Ißt Suppe, Fleisch, Ragout und Fisch
Und wehklagt über seinen Magen;

Zwar ißt er rasch, und Eins, Zwei, Drei!
Wird der gehäufte Teller leer,
Doch seufzt er immerfort dabei:
Wahrhaftigen Gott, ich kann nicht mehr! —

's wird Frikassee herumgereicht
Mit Trüffeln, Klößchen, ach, so niedlich l
Ich glaub', das Ding verdaut sich leicht,
Es duftet gar zu appetitlich!

Probieren könnte man's denn doch —
Das schmeckt famos, auf meine Ehr!
Hm! ein paar Löffelchen nur noch: —
Wahrhaftigen Gott, ich kann nicht mehr! —

Die fünfte Speise wird gebracht,
So würzreich und so auserlesen,
Fürwahr, das Herz im Leibe lacht,
Das ist noch gar nicht da gewesen! —

Ein kleines Stückchen, zum Versuch —
Ach, wie pikant! und gar nicht schwer;
Schnell noch ein Stück. Nun ist's genug.
Wahrhaftigen Gott, ich kann nicht mehr! —

Gebrat'ne Gans? — Wie delikat!
So braun, so glänzend anzuschauen!
Ein Schenkelchen wär' in der Tat
Mit Sauerkraut noch zu verdauen;

Man trinkt ein Gläschen Wein darauf —
Nein, was ich alles heut verzehr'! —
Jetzt ist's vorbei, ich stehe auf.
Wahrhaftigen Gott, ich kann nicht mehr! —

Ist das nicht Pudding, was der bringt?
Der könnte mich beinah verführen.
Wenn an der West' ein Knopf auch springt,
Den Pudding muß ich noch probieren! —

Die Sauce ist so süß, so schön —
Ein zweites Stückchen noch, Marqueur! —
Nun aber muß ich wirklich gehn:
Wahrhaftigen Gott, ich kann nicht mehr! —

Was gibt's denn da noch zum Dessert?
Ich glaub', 's ist Alexanderkuchen!
Den eß' ich gar zu gern, auf Ehr'!
Davon muß ich ein Stückchen versuchen. —

Das ist ein wahrer Hochgenuß! —
Wenn nur mein Magen besser wär'! —
Na, Käs' und Butter zum Beschluß; —
Wahrhaftigen Gott, ich kann nicht mehr! —

Nun geht er fort. Da fällt ihm ein,
's sind frische Austern annoncieret.
Das zieht zum Keller ihn hinein;
»Ein Dutzend nur« — wird kommandieret.

Jetzt sitzt er fest bis Mitternacht.
Manch Dutzend schluckt und schlürft er leer,
Und stöhnt bei jeder Auster sacht:
Wahrhaftigen Gott, ich kann nicht mehr! —

Sprach das Geschichtchen Euch nicht an,
So bitt' ich, zürnt nicht allzusehr,
Ein Schelm tut mehr nur als er kann;
Wahrhaftigen Gott, ich kann nicht mehr! —