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Vischer Friedrich Theodor
Parodie auf Goethes "Faust II"
Der Tragödie Dritter Teili
In drei Akten
Z w e i t e r A c t
Siebenter Auftritt.
Erste Chorführerin.
Männer, erschrecket nicht, wir sind die Bilder
Eines zerrissenen, kläglichen Reiches;
Haben uns häßlich unter uns selber
Ueber den Vortanz unseres Reigens
Lang gezankt.
Zweite.
Seit ihr den Hader unter euch zweien
Friedlich geendet und durch der Eintracht
Kräftige Bande euern Bedränger
Muthig besieget, ziehet uns Liebe
Hin zu euch.
Dritte.
Kräftige Arme sollen uns lenken,
Wollen uns schlingen, wollen uns schwingen,
Liebend uns neigen, reizend uns beugen,
Wollen uns fügen, wollen uns schmiegen
Ganz an euch.
Vierte.
Gebet der Einen, gebet der Andern
Jeder an Jede, ohne zu wählen,
Ohne des Neides widriges Eifern
Nun in des Reigens lieblichem Wirbel
Froh die Hand.
Valentin.
Blitz! Sind das nette Mädel, runde, fixe!
Was machen sie für allerliebste Knixe!
Was meinst du, Faust, das sind nicht Höllengeister?
Ein Tänzchen nach so schweren Thaten,
Das kann nichts schaden!
Faust.
Ich selber fühle mich bei diesen dreister;
Ein Walzerchen möcht’ ich wohl wagen -
Doch was wird Gretchen sagen?
Valentin.
Ach, darum mußt du dich nicht grämen!
Die Schwester wird’s nicht übel nehmen!
Dein Fürsprech bin bei ihr ich, alter Junge;
Nun greife zu, versuche Bein und Lunge.
(Es ertönt eine fröhliche Tanzmusik nach der
Melodie: “Schwäbische, bairische, sächsische Mädel, Juchhe.” Es wird gewalzt.
Während des Tanzes:)
Gesang unsichtbarer guter Geister.
Glücklich erstanden!
Selig derjenige,
Welcher wie Wenige
Hat die Helenige,
Kunstvoll natürliche,
Wächsern figürliche,
Dann die Euphorische,
Springend emporische,
Nasenweiß knabische,
Gummi arabische,
Dann die mephytische,
Furchtbarlich kritische,
Vielleicht politische,
Schließlich die mutternde,
Nerven erschutternde
Herz fast verbutternde
Prüfung bestanden!
Dir auch, o anderer
Unterweltswanderer,
Derblicher
Sterblicher,
Der du entrißest schon
Früher den Sorgensohn
Voll Resolution
Aus jener brätlichen
Duftend salätlichen
Sinnebeschleichenden,
Nasebestreichenden
Prüfung und treuelich,
Nimmermehr scheuelich
Jetzo ihn schützetest
Und mit ihm schwitzetest
Feind niederblitzetest
Sagen wir Amen
Nach dem Examen!
(Während fröhlich abgewalzt wird, fällt der Vorhang.)
Schluß aus:
D r i t t e r A c t
Fünfter Auftritt.
VALENTIN.
Pros't Mahlzeit! Nun, ein rechter guter Magen
Kann schon etwas vertragen!
FAUST.
Begreifst du denn bis zu dem letzten Schritt
Auch nimmermehr ein tiefstes Symbolum?
Gesang der Eingeweihten geht jetzt um:
So sammle dich und singe würdig mit!
D. MARIANUS.
Dieses Historium
D. ECSTATICUS.
Ist kein Brimborium
D. SERAPHICUS.
Ist Allegorium
D. PROFUNDUS.
Ursinns Sensorium
FAUST.
Urpräzeptorium
GRETCHEN.
Bildungs=Doctorium
VALENTIN.
Schuh=Revisorium.
Unsichtbarer Chorjüngerer Geister.
Seelen=Ciborium
Unsichtbarer Chor älterer Geister.
Ohne Cichorium
Unsichtbarer Chor ganz alter Geister.
Urigen Urbegriffs Repetitorium!
D. MARIANUS.
Empor nun, ganzes Auditorium!
Aufschwingt euch zum Emporium,
Allwo unbeschnipfelt
Die Idee sich gipfelt,
Wo das I sich tüpfelt,
Wo der Weltbaum wipfelt,
Wo die Weltwurst zipfelt!
(Während sämmtlicbe sichtbare Personen sich anfaßen
und nach der Höhe des Wolkenberges zu schweben beginnen, ertönt ein)
CHORUS MYSTICUS.
Das Abgeschmackteste,
Hier ward es geschmeckt;
Das Allervertrakteste,
Hier war es bezweckt;
Das Unverzeihliche,
Hier sei es verzieh'n;
Das ewig Langweilige
Führt uns dahin!
(Die Personen schweben zu der Null empor; man
bemerkt noch, daß einige Schwierigkeiten, welchen diese Bewegung bei Valentin
unterliegt, durch Nachhülfe der Uebrigen beseitigt werden. Inzwischen
wird jetzt bei steigender Klarheit am höheren Himmel ein offenes Fenster
sichtbar, aus demselben schaut GÖTHE; man hört ihn herzlich lachen.)
GÖTHE.
Mein Lebtag hab' ich nicht so froh gelacht,
Noch seit ich hingieng zu der Geisterhalle;
Der tolle Kerl, der diesen Spuk erdacht,
Der hat mich lieber, als ihr andern Alle!
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