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Heinrich von Meissen genannt Frauenlob

Aus dem "Langen Ton"

Swaz ie gesang Reimar und der von Eschenbach,
swaz ie gesprach
der von der Vogelweide,
mit vergoltem kleide
ich, Vrouwenlob, vergulde ir sang, als ich iuch bescheide.
sie han gesungen von dem feim, den grunt han sie verlazen.
Uz kezzels grunde gat min kunst, so gicht min munt.
ich tun iu kunt
mit worten und mit dönen
ane sunderhönen:
noch solte man mins sanges schrin gar rilichen krönen.
sie han gevarn den smalen stig bi künstenrichen strazen.
Swer ie gesang und singet noch
bi grünem holze ein fulez bloch ,
so bin ichz doch
ir meister noch.
der sinne trage ich ouch ein joch,
dar zu bin ich der künste ein koch.
min wort, min döne traten nie uz rechter sinne sazen.


Neuhochdeutsch:
Was jemals Reinmar sang und der von Eschenbach, / was jemals / der von der Vogelweide sagte: / mit meinem goldenen Prunkkleid übertreffe ich, Frauenlob, / das Gold ihres Gesanges, wie ich es euch jetzt darlege: / Sie haben nur vom Schaum (an der Oberfläche) gesungen, den Boden haben sie vernachlässigt. / Meine Kunst kommt vom Boden des Kessels, das behaupte ich. / Ich verkünde euch / mit Worten und Melodien / und ohne Übertreibung: / Das Schatzkästchen meines Gesangs würde eine reiche Krone verdienen. / Die anderen haben angesichts der an Kunst reichen Straßen nur den schmalen Weg benützt. / Wer jemals gesungen hat und noch singen wird / ein abgefaulter Ast am grünen Holz , / so bin ich doch / der Meister über sie alle. / Ich stehe im Joch des Verstandes, / und ich bin überdies ein Könner in der Küche der Kunst. / Meine Worte und Melodien haben niemals den Wohnsitz der wahren Kunst verlassen.