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Goethe
Johann Wolfgang von
Römische Elegien III .
Laß
dich Geliebte nicht reu'n daß du so schnell dich ergeben,
Glaub' es, ich dencke nicht frech, dencke nicht niedrig von dir.
Vielfach wirken die Pfeile des Amors, denn einige ritzen
Und vom schleichenden Gift krancket auf Jahre das Herz;
Aber mächtig befiedert, mit frisch geschliffener Schärfe
Dringen die andern ins Mark zünden auf einmal uns an.
In der heroischen Zeit, da Götter und Göttinnen liebten,
Folgte Begierde dem Blick, folgte Genuß der Begier.
Glaubst du es habe sich lange die Göttin der Liebe besonnen,
Als im Idäischen Hayn einst ihr Anchises gefiel?
Hätte Luna gesäumt den schönen Schläfer zu küssen
O so hätt' ihn geschwind neidend Aurora geweckt.
Hero erblikte Leandern beym lauten Fest und behende
Stürzte der Liebende sich heiß in die nächtliche Fluth.
Rhea Sylvia wandert die fürstliche Jungfrau den Tyber
Wasser zu schöpfen hinab, und sie belauschet der Gott.
So erzeugte sich Mars zwey Söhne! - die Zwillinge träncket
Eine Wölfinn und Rom nennt sich die Fürstinn der Welt.
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