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Goethe
Johann Wolfgang von
Römische Elegien XIII.
Amor
bleibet ein Schalk, wer ihm vertraut ist betrogen!
Heuchlend kam er zur mir: »traue mir diesmal nur noch.
Redlich meyn ichs mit dir, du hast dein Leben und Dichten,
Danckbar erkenn ich es wohl, meiner Verehrung geweiht.
Siehe dir bin ich nun gar nach Rom gefolget, ich möchte
Dir im fremden Gebiet gern was gefälliges thun.
Jeder Reisende klagt er finde schlechte Bewirthung;
Welchen Amor empfielt köstlich bewirthet ist er.
Du betrachtest mit Staunen die Trümmern alter Gebäude,
Und durchwandelst mit Sinn diesen geheiligten Raum.
Du verehrest noch mehr die werthen Reste des Bildens
Einziger Künstler, die ich stets in der Werkstatt besucht.
Diese Gestalten ich lehrte sie formen. Verzeih mir, ich prahle
Diesmal nicht, du gestehst was ich dir sage sey wahr.
Nun du mir lässiger dienst wo sind die schönen Gestalten,
Wo die Farben, der Glanz deiner Erfindungen hin?
Denckst du Freund nun wieder zu bilden, die Schule der Griechen
Blieb noch offen, das Thor schlossen die Jahre nicht zu.
Ich der Lehrer bin ewig iung und liebe die Jungen.
Nicht so altklug gethan! Munter! Begreife mich wohl!
Das Antike war neu da jene glückliche lebten.
Lebe glücklich und so lebe die Vorzeit in dir.
Stoff zum Liede, wo nimmst du ihn her? ich muss dir ihn geben
Und den höheren Styl lehret die Liebe dich nur.«
Also sprach der Sophiste. Wer widerspräch ihm? und leider
Bin ich zu folgen gewöhnt wenn der Gebieter befiehlt. -
Nun verrätherisch hält er sein Wort giebt Stoff zu Gesängen,
Ach und raubt mir die Zeit, Kraft und Besinnung zugleich.
Blicke, Händedruck und Küsse, gemüthliche Worte,
Sylben köstlichen Sinns wechselt ein liebendes Paar.
Da wird ein Lispeln Geschwätze, da wird ein Stottern zur Rede,
Solch ein Hymnus verhallt ohne prosodisches Maas.
Dich Aurora wie kannt ich dich sonst als Freundinn der Musen!
Hat
Aurora dich auch Amor der lose verführt?
Du erscheinest mir nun als seine Freundinn und weckest
Mich an seinem Altar, wieder zum festlichen Tag.
Find ich die Fülle der Locken an meinem Busen! Das Köpfchen
Ruhet und drücket den Arm der sich dem Halse bequemt.
Welch ein freudig Erwachen! Erhieltet ihr ruhige Stunden
Mir das Denckmal der Lust die in den Schlaf uns gewiegt? -
Sie bewegt sich im Schlummer und sinkt auf die Breite des Lage
Weggewendet und doch lässt sie mir Hand noch in Hand.
Herzliche Liebe verbindet uns immer und treues Verlangen,
Und den Wechsel behielt nur die Begierde sich vor
Einen Druck der Hand, ich sähe die himmlischen Augen
Wieder offen - O nein! Lasst auf der Bildung mich ruhn!
Bleibt geschlossen! ihr macht mich verworren und truncken, ihr raubet
Mir den stillen Genuss reiner Betrachtung zu früh.
Diese Formen wie gros! Wie edel gewendet die Glieder!
Schlief Ariadne so schön, Theseus du konntest entfliehn!
Einen Kuss nur auf diese Lippen! O Theseus! und scheide!
Blick ihr ins Auge! Sie wacht! - Ewig nun hält sie dich fest.
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