literatur pinselpark    


  Home
Zum Autor
Sitemap/Inhalt
Vorherige Seite
   
  Suche /Wörterbuch
Forum
Mail
Seite weiterempfehlen

Drucken
Disclaimer
Wichtige Downloads

 

Dietmar von Aist

1 Hei nû kumet uns diu zît, der kleinen vogellîne sanc.
ez gruonet wol diu linde breit, zergangen ist der winter lanc.
nû siht man bluomen wol getân, an der heide üebent si ir schîn.
des wirt vil manic herze frô, des selben troestet sich daz[ ] mîn.

2 Ich bin dir lange holt gewesen, frouwe biderbe unde guot.
vil wol ich daz bestatet hân! dû hâst getiuret mînen muot.
swaz ich dîn bezzer worden sî, ze heile müez ez mir ergân.
machest dû daz ende guot, sô hâst dû ez allez wol getân.

3 Man sol die biderben und die guoten ze allen zîten haben liep.
swer sich gerüemet alze vil, der kan der besten mâze niet.
joch sol ez niemer hövescher man gemachen allen wîben guot.
er ist sîn selbes meister niht, swer sîn alze vil getuot.

4 Ûf der linden obene dâ sanc ein kleinez vogellîn,
vor dem walde wart ez lût. dô huop sich aber daz herze mîn
an eine stat, dâ ez ê dâ was. ich sach die rôsenbluomen stân,
die manent mich der gedanke vil, die ich hin ze einer frouwen hân.

5 Ez dunkent mich wol tûsent jâr, daz ich an liebes arme lac.
sunder alle mîn schulde frömedet er mich alle tac.
sît ich bluomen niht ensach noch hôrte kleiner vogellîn sanc,
sît was al mîn fröide kurz und ouch der jâmer alze lanc.

Übersetzung:

1 Hei, nun kommt uns die Zeit (des Sommers), der Gesang
der kleinen Vögelchen. / Es grünt schon die breite Linde,.dahin ist der
lange Winter. / Nun sieht man anmutige Blu-
men, auf der Heide erproben sie ihr Strahlen. / Darüber
werden sehr viele Herzen froh, und auch mein Herz
schöpft daraus Zuversicht.

2 Ich bin dir seit langem zugetan, edle und vortreffliche Her-
rin. / Wie gut ich das angelegt habe! Du hast meinen Sinn
veredelt. / Um was immer ich durch dich besser geworden
bin, es möge mir zum Heil gereichen. / Machst du das
Ende gut, so hast du alles wohl getan.

3 Man soll die Edlen und die Vortrefflichen zu allen Zeiten
lieb behalten. / Wer immer sich allzuviel rühmt, der weiß
nichts vom rechten Maß. / Auch soll es ein höfischer
Mann niemals allen Frauen recht machen. / Der ist nicht
Meister seiner selbst, der in dieser Hinsicht allzuviel tut.

4 Auf der Linde oben, da sang ein kleines Vögelchen, / vor
dem Wald erhob es seine Stimme. Da schwang sich mein
Herz wieder auf / zu einem Ort, an dem es früher war. Ich
sah die blühenden Rosen stehen, / die rufen in mir viele
Gedanken hervor,die sich auf eine Dame richten.

5 Es kommt mir vor, als sei es schon tausend Jahre her, daß
ich im Arm des Geliebten lag. / Ganz ohne meine Schuld
bleibt er mir jeden Tag fern. / Seit ich keine Blumen sah
noch den Gesang kleiner Vögelchen hörte, / seitdem war
all meine Freude von kurzer Dauer, der Jammer aber
allzulang.