Entstehung des Universums
und der Erde
Antworten antiker Denker
Bereits in der Antike diskutieren Philosophen und Gelehrte darüber,
wie das Weltall entstanden sein könnte. Religionsgründer
gaben Antworten, die im Sinne ihrer Lehren das Universum interpretierten.
Babylonische, ägyptische und aztekische Priester beschäftigten
sich mit dem geheimsvollen Sternenhimmel. Die Anordnung der Sterne
deuteten sie als Tierbilder oder Göttergestalten. Aus ihnen
sollte man auch die Zukunft ablesen können war die Meinung
der priesterlichen Kaste der Astrologen. Mose, der Gründer
der jüdischen Religion, interpretierte Welt und Universum als
Schöpfung eines Gottes. Aus einem Ur-Chaos heraus sollte alles
erstanden sein. Die Erde war wüst und leer (hebr. tohu wa bohu),
das ein schöpferischer Gott ordnete. In germanischen und griechischen
Überlieferungen wüteten Giganten und Götter gegeneinander,
bis nach den entscheidenden Schlachten die Welt entstand. Der irische
Erzbischof Ussher (1581-1656) berechnete akribisch den genauen Tag
für die Erschaffung der Welt nach den in der Bibel gemachten
Angaben auf den Abend des 22. Oktober 4004 vor Christus. Es gibt
einen grossen Unterschied zwischen Präzision und Genauigkeit!!.
Während die Religionen des orientalisch-westlichen Kulturkreises
noch von einem "Anbeginn der Welt" ausgingen, sah man
in Indien das Universum als unendliche Kette auf- uns absteigender
Zeitalter an, in welchem unendlich viele Parallelwelten existierten.
Wir reflektieren häufig nicht, inwieweit solche Ansätze
noch heute unsere gefühlsmässige Stellungnahme beeinflussen,
indem wir für die Urknalltheorie oder die steady-state-Hypothese
votieren.
Entwicklung des Weltbilds in den letzten
100 Jahren - Urknalltheorie
Die Entwicklung entsprechender Teleskope löste besondere
Impulse aus. Edwin P. Hubble und Milton Humanson entdeckten 1929,
daß das Licht, das weit entfernte Objekte ausstrahlen, in
den Infrarotbereich des Lichtspektrums verschoben ist. Nach dem
Doppler-Effekt bedeutet das, dass sich diese Objekte von uns weg
bewegen, etwa wie die Splitter einer Bombe nach der Explosion. Jede
Expansion muß einen Anfang haben, der zum Zeitpunkt Null in
einer gewaltigen Explosion, dem Urknall (Big Bang), lag. Es gibt
keinen anderen Grund für die Expansion, die trotz der überall
herrschenden Gravitation auch heute noch weiter fortschreitet. Verfolgt
man diese Bewegung zurück, kommt man zu dem Schluß, daß
das Universum vor einigen Milliarden Jahren sehr klein und konzentriert
gewesen sein muss und sich in einem extrem energiereichen Zustand
befand. Je nach den zugrundegelegten Berechnungsmodis ergibt sich
ein Alter des Weltalls von 9-20 Milliarden Jahren.
Albert Einstein veröffentlichte 1915 seine Allgemeinen Relativitätstheorie
(1915). Bis zu diesem Zeitpunkt sah man Raum und Zeit als unabhängige,
unveränderliche Größen an. In das bis dahin vergleichsweise
starre Gedankengebäude der Physik kam durch die Relativität
von Raum und Zeit eine sehr dynamische Komponente. Das Koordinatensystem
der klassischen Physik hatte nur noch für die Erde Bedeutung.
Vorgänge im Weltraum konnten in ihm nicht hinreichend genau
erfasst werden. Die Relativitätstheorie erlaubt als Lösungen
nur ein Weltall, das sich ausdehnt oder zusammenzieht. Einstein
passte seine Theorie durch Einführung einer kosmologischen
Konstante so an, dass sie auch ein gleichbleibendes Weltall zuliess,
was er später als grossen Fehler bezeichnete.
Erklärungen der Relativitätstheorie finden Sie
hier.
Berechnet man Dichte und Temperatur des Weltalls zurück bis
fast zu Beginn des Urknalls, so ergeben sich einige überprüfbare
Folgerungen:
1. Wie im Inneren der Sterne müssen sich in der heißen
Frühphase chemische Elemente gebildet haben. Die Urknalltheorie
sagt ein ganz bestimmtes Verhältnis der Häufigkeiten von
Wasserstoff, Helium, Deuterium, Lithium usw. voraus. Dieses Verhältnis
findet man noch heute in entfernten Molekülwolken, die sich
seit der Frühzeit chemisch kaum verändert haben.
Das Nachleuchten des Urknall-Strahlungsblitzes sieht man heute noch
als kosmische Hintergrundstrahlung (Drei-Kelvin-Strahlung, rosa
Rauschen). Diese Strahlung erreicht uns aus allen Richtungen des
Universums gleichmäßig. Ihre Existenz läßt
sich bis heute nur durch die Annahme eines Urknalls logisch erklären.
Die kosmische Hintergrundstrahlung wurde von George Gamow (1904-1968)
vorhergesagt, der auch die Theorie eines heissen, explodierenden
"Urbreis" (Ylerm) vortrug. Im Jahre 1965 wurde die kosmische
Hintergrundstrahlung von Arno Penzias und Robert Wilson mit einem
Radioteleskop nachgewiesen.
2. Da das Licht eine gewisse Zeit braucht, um eine bestimmte Strecke
zurückzulegen (etwa 300.00 km/sek), sehen Astronomen heute
weit entfernte Objekte so, wie sie vor Milliaren von Jahren ausgesehen
haben. Wegen der endlichen Lichtgeschwindigkeit kann man also in
der Geschichte des Weltalls zurückschauen. Man sieht deutlich,
wie sich Galaxien in den letzten 10 Milliarden Jahren aus unregelmäßigen
Wolken gebildet haben. Mit anderen Worten: Das Weltall hat sich
in den letzten 10 Milliarden Jahren weiterentwickelt und sah nicht
schon immer wie heute aus. Der Satellit Cobe (Cosmic Background
Explorer) bescherte uns 1992 Bilder der ältesten Zeugen des
Universums, entstanden etwa 1 Million Jahre nach dem Urknall und
sicher 15 Milliarden Jahre alt.
3. Mit verschiedenen Methoden wurde das Alter von astronomischen
Objekten (Erde, Sonne, Galaxien) berechnet. Zwar sind in den komplexen
Rechnungen und Bewertungsansätzen noch Ungenauigkeiten enthalten,
jedoch kommt man zu dem Ergebnis, daß die ältesten Objekte
nicht älter als 12- 16 Milliarden Jahre sind.
Obgleich die Urknalltheorie bis heute die einzige Theorie ist, welche
die gemachten Beobachtungen in logischem Zusammenhang erklären
kann, gibt es noch einige Gegenvorschläge (z.B. Steady-State-Theorie,
Therorien über pulsierende Universen). Die Diskussion ergab
in allen Fällen, dass sich aus der Annahme dieser Theorien
Konsequenzen ergeben, die zu vielen gemachten Beobachtungen in Widerspruch
stehen. Aus allen vorliegenden Erkenntnissen zog man die Konsequenz,
dass das expandierende Universum durch einen Urknall entstanden
war. Aus der Urknallhypothese entwickelte sich ein Standardmodell
der Entstehung des Universums.
Der Ablauf der ersten Sekundenbruchteile nach dem Urknall ist zwar
noch nicht geklärt, jedoch können mit einiger Wahrscheinlichkeit
Aussagen über den Ablauf der Bildung des Universums gemacht
werden.
Die Entstehung des Universums nach dem Urknall
Zum Zeitpunkt Null war also das gesamte Universum in einem einzigen
Punkt, einer Singularität, vereinigt. In diesem Zustand ging
die Ausdehnung gegen unendlich klein, Druck und Temperatur gegen
unendlich groß. Unter diesen Bedingungen war das Universum
ohne Zeit und Raum. Aus einem uns unbekannten Grund fand dann irgendwann
der Urknall statt, und nach einer unvorstellbar kurzen Zeitspanne,
10-43 s, der sogenannten Planck- Zeit (das ist der kürzest
mögliche Zeitabschnitt, ähnlich dem Photon, welches die
kleinste mögliche Energieeinheit einer Strahlung darstellt)
setzt die kosmische Entwicklung ein.
Zu diesem Zeitpunkt ist der Kosmos 1032 K heiß und (aufgrund
der Heisenbergschen Unschärferelation, welche besagt, daß
man niemals gleichzeitig den Aufenthaltsort und den Energieinhalt
eines Teilchens bestimmen kann) noch so klein, daß man nicht
entscheiden kann ob er ein Teilchen umschließt oder nicht.
Supersymmetrie und Inflation
Alle Naturkräfte (Graviation, elektromagnetische Kraft sowie
starke und schwache Wechselwirkung) sind hier noch vereinigt (Große
Vereinheitlichung), Energie und Materie bis zur Unkenntlichkeit
verzerrt. Man spricht hierbei von der Supersymmetrie des Alls, die
einzelnen Kräfte sind nicht mehr unterscheidbar. An einigen
Stellen des Mini-Universums entsteht so etwas wie Druck, und schlagartig
bläht sich der Kosmos auf. Ebenso schnell sinkt nun die Temperatur:
Nach einer hundertstel Sekunde beträgt sie "nur" noch
100 Milliarden K, nach 1/10 s 30 Milliarden und nach 13 Sekunden
nur noch 3 Milliarden K.
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