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Methoden der Altersbestimmung und -messung
Relative Alterbestimmung
Wenn Ereignisse der
Erdgeschichte weiter zurückliegen, wird die
Altersbestimmung schwierig. Sehr weit zurück können wir die
Zeit nur noch relativ bestimmen. Dabei helfen Gesteine und Fossilien.
Offene Gesteinsschichten (z.B.Steinbruch) können Eiblicke geben.
Relative Datierung macht Aussagen zu jünger oder älter, früher
oder später, ohne dies quantitativ festlegen zu können.Dies
alles scheint zunächst trivial ist aber für die relative Einordnung
sehr brauchbar und führt zusammen mit anderen Bestimmungsmethoden
(z.B. radioaktivem Zerfall) zu sehr brauchbaren Ergebnissen.
Nicolaus Steno (Niels Stensen, 1638-1686) war ein bedeutender dänischer
Anatom, Geologe und Bischof. Unter Anwendung der Logik beobachtete und
interpretierte er die Lagerung und Abfolge von Gesteinssschichten. Aus
Vergleichen dieser Beobachtungen mit noch laufenden Prozessen faßte
er seine Beobachtungen zu vier Prinzipien zusammen, die heute noch die
Grundlage zur zeitlichen Interpretation von Gesteinen bilden.
Die Naturgesetze ändern sich nicht im Laufe der Zeit! So formulierte
der schottische Geologe James Hutton (1726-1797). Deswegen können
die heute gültigen und bekannten Gesetze auf die Erklärung
der geologischen Vergangenheit angewandt werden.
Gesteine als Datierungshilfen
1. Prinzip der ursprünglichen horizontalen
Lagerung
Sedimentäre Schichtung, zumindest auf einem großen Maßstab,
wurden ursprünglich horizontal abgelagert. Ist dies nicht der Fall,
d.h. liegt die Schichtung schräg, muss diese Störung später
als die eigentliche Ablagerung erfolgt sein.
2. Prinzip der Überlagerung
Sedimente, die als erstes abgelagert wurden (die ältesten), liegen
naturgemäß in einer sedimentären Abfolge zuunterst und
werden von jüngeren überlagert, falls keine Störungen auftreten.
Dies gilt für alle Ablagerungsgesteine, die im Laufe der Erdgeschichte
Schichten bildeten. Je tiefer man kommt, desto früher wurden die
Gesteine abgelagert.
3. Prinzip der lateralen Kontinuität
Sedimentäre Schichten verlaufen horizontal und enden nicht
abrupt, falls sie nicht auf eine natürliches Hindernis stossen. Sie
können aber allmählich an Mächtigkeit abnehmen oder in
eine andere Gesteinsart übergehen. Gleiche Schichtung an unterschiedlichen
Orten deutet darauf hin, dass früher ein Zusammenhang bestand. Beispiel:
Die Schichten in Berg A entsprechen denen in Berg B. Früher waren
beide miteinander verbunden, der Zwischenraum kann z.B. durch die Bildung
eines Flußbettes entstanden sein.
4. Prinzip der durchschneidenden Beziehungen
(Cross-cutting-relations)
Gesteine, die Schichten quer durchschlagen, müssen jünger sein
als die durchschlagenen Schichten. Verwerfungen, Vulkanschlote, usw. sind
immer jünger sind als die Schichten, die von ihnen durchstoßen
werden.
Fossilien als Datierungshilfen
Der Kanalbau-Ingenieur William Smith (1769-1839) bemerkte, dass nicht
in jeder Gesteinsschicht die gleichen Fossilien auftreten, sondern dass
eine bestimmte Abfolge besteht. Smith konnte aus seinen praktischen Beobachtungen
vorhersagen, welche Fossilien in welchen Gesteinsschichten auftreten
würden.
In verschiedenen Erdzeitaltern haben jeweils andere Lebensformen existiert,
von denen Versteinerungen und andere Spuren zurückgeblieben waren.
Er kam zu dem Schluss: Gesteine, die die gleichen Fossilien enthalten,
sind gleich alt.
Um das Alter eines Gesteins nach seinen Fossilien zu bestimmen, wird
vor allem ein Leitfossil benötigt, das eine relative Zeitmessung ermöglicht.
Es muss häufig, weit verbreitet, unabhängig vom Lebensraum in
vielen Lebensräumen verbreitet sein (Faziesunabhängigkeit).
Ausserdem muss es gut bestimmbar sein und die Art darf nur eine bestimmte,
möglichst kurze Zeit existiert haben.
In diesem Sinne waren z.B. Amoniten und die Foraminiferen gute Leitfossilien.
Aktualitätsprinzip
Bei der Untersuchung der Erdgeschichte geht man vom sogenannten Aktualitätsprinzip
aus: Die Gegenwart ist der Schlüssel zur Vergangenheit. Was bedeutet
das? Prozesse, die heute noch stattfinden, haben so auch schon früher
stattgefunden (Vulkanausbrüche, Bildung von Flussbetten, Meteoriteneinschlag).
Die Naturgesetze ändern sich nicht im Laufe der Zeit!
Findet man z.B. ein Gestein, das genauso aussieht, wie ein Eruptivgestein
aus einem noch tätigen Vulkan, so geht man davon aus, dass es ebenfalls
bei einem Vulkanausbruch entstanden ist. Findet man Korallen in Kalkstein
(z.B. inden Dolomiten oder Rocky Mountains) so deutet dies auf ein fossiles
Korallenriff hin. Daraus lässt sich folgern, dass am Fundort früher
Bedingungen geherrscht haben, die das Überleben eines Korallenriffes
möglich machten: klares, flaches und sauerstoffreiches Meerwasser.
Ein weiters Beispiel sind Versteinerungen von Hölzern in Braunkohlelagerstätten.
Dort müssen Lebensbedingungen für Wälder bestanden haben.
Absolute Altersbestimmung
Radioaktiver Zerfall
Wegen des Zerfalls radioaktiver Isotope können genauere Zeitangaben
gemacht werden. Der Zerfall geschieht nicht willkürlich, sondern
nach physikalischen Gesetzen, die sich nicht von irgendeiner bekannten
Kraft (Temperatur, Druck...) beeinflussen lassen.
Man nennt die Zeit in der die Hälfte der radioaktiven Isotope zerfällt
die Halbwertszeit. Die zerfallenden Stoffe werden zu definierten Folgeprodukten
(siehe Periodensystem der Elemente, Isotopenlisten). Ein Teil der Kernmasse
geht als Alpha-Strahlung (sog. nackte Heliumkerne), Beta-Strahlen oder
Gamma-Strahlen (harte, energiereiche Strahlung) verloren. Aus dem verbleibenden
Rest aktiven Materials (im Verhältnis zum vorhandenen Gesamtmaterial),
kann unter Anwendung der Halbwertzeiten das Alter des Objekts (z.B.Gesteins)
bestimmt werden.
Stoffe nach denen absolute Altersbestimmungen vorgenommen werden können
sind unter anderem:
| Ursprüngliches Isotop |
wird zu |
Halbwertzeit |
| Uran 238 |
Blei 206 |
4,5 Milliarden Jahre |
| Kalium 40 |
Argon 40, Calcium 40 |
1,3 Milliarden Jahre |
| Rubidium 87 |
Strontium 87 |
47 Milliarden Jahre |
| Kohlenstoff 14 |
Stickstoff 14 |
5730 Jahre |
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Anwendungsbeispiel: C14 - Methode
Für die historische Datierungen wird überwiegend die
C14-Methode verwendet. C14 ist ein radioaktives Isotop des Kohlenstoffs
(C). Er wird von Pflanzen aufgenommen und eingelagert. Das C14-Isotop
kommt in einer gleichmäßigen Verteilung im Gesamtkohlenstoff
vor und wird mit aufgenommen. Beendet die Pflanze ihr Leben, nimmt sie
auch keinen Kohlenstoff mehr auf, sondern es verbleibt hinsichtlich der
stabilen Isotope (z.B. C12) bei den vorhandenen Mengen. Das zerfallenden
C14-Isotop, dessen Halbwertszeit bekannt ist, baut sich hingegen ab. Aus
der Restmenge des vorhandenen C14 daher auf den Zeitpunkt geschlossen
werden, in dem der Lebenszyklus der Pflanze endete. Die Methode ist nur
für Bestimmungen bis etwa 70.000 Jahre mit hinlänglicher Genauigkeit
brauchbar. (Für Historiker geeignet, für Geologen ungeeignet).
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