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Das ästhetische Moment
Zur Wirkung verschiedener Komponenten im Bild:
Punkt
Grundlage jeder Form. Ein Punkt in der Landschaft sieht das Auge auf
sich, erweckt Aufmerksamkeit, wenn er sich durch Motivhelligkeit oder
Motivfarbe von den umgebenden Punkten unterscheidet. Ansammlungen von
Punkten empfinden wir als ordentlich oder unordentlich. Menschenmenge
und Menschenschlange sind ein Beispiel hierfür.
Linie
Mit ihr beschäftigt sich das ästhetischen Empfinden besonders.
Gerades wird als streng, korrekt, ordentlich, meistens als ästhetisch
ansprechend interpretiert.
Während senkrechte Linien eher Vorwärts- aufwärts signalisieren, werden
waagrechte Linien als Barriere, Hindernis, Eingrenzung empfunden.(Zu dieser
Art Linien zählt auch der Horizont - der nicht nur auf Bildern eine Eingrenzung
darstellt!) Schneiden sie Ihre Motive möglichst nicht durch einen Horizontverlauf
entzwei. Wenn sie eine Horizontlinien plazieren müssen tun sie es nach
Regeln des Goldenen Schnitts (2:1 Verhältnis) Noch mehr Spannung entsteht
wenn die Horizontlinie sehr hoch oder sehr niedrig verläuft. Nur wenn
Sie absolute Symmetrie darstellen wollen empfiehlt sich eine mittige Plazierung.
Krumme Linien stehen für mängelbehaftet, krüppelhaft, im
Verfall befindlich
Weich geschwungene Linien kommen unserem ästhetischen Empfinden
besonders entgegegen. Sie entsprechen angenehm Empfundenen, einem schönen
Körper vielleicht, der Form einer Vase oder ähnlichem. In der Gartenarchitektur
gibt es die eiserne Regel, keine geraden sondern nur sanft geschwungene
Wege anzulegen. Einfach weil diese das menschliche Formempfinden als "natürliche
Schönheit" ansprechen.
Sich kreuzende Linien erzeugen das Gefühl des Aufgehaltenseins,
der Störung
Diagonalen (Schiefe Ebenen) lenken den Blick auf ihren Endpunkt (Dort
muss der herabgerollte Gegenstand zu finden, der Horizont zu sehen sein!)
Sie erzeugen Spannung und Suchverhalten beim Betrachter, besonders wenn
sie von links oben nach rechts unten verlaufen (Schreib und Leserichtung
in unserer Kultur, das ist in Arabien und Ostasien möglicherweise anders).
Wir fragen uns also: Enthält das Bild leitende Diagonalen? Eine besondere
Bedeutung hat die Diagonale in der Perspektive.
Fläche
Alle möglichen Flächenformen existieren in einem Motiv, davon seien
Viereck, Dreieck, Kreis und Ellipse und unregelmässige Polygone genannt.
Das Viereck wie das Dreieck assoziieren wir mehr mit Technisch-konstruktivem
als mit Natürlichem.
Wobei das Viereck als ausgewogener, fertiger, das Dreieck dagegen als
spannungsreicher, unabgeschlossener, spitzer empfunden wird. Diese Formen,
besonders das Dreieck setzt unser Gehirn zusammen, wenn wir entsprechend
angeordneten Punkte anbieten.
Unregelmässige Vielecke hinterlassen einen Eindruck von Unordnung und
Zerfall.
Der Kreis ist ein Symbol für Rundheit, Geschlossenheit, Dauer. Er ist
die am tiefsten als perfekt empfundene Form.
Die Ellipse mit ihren zwei Brennpunkten gilt, aus welchem Grunde auch
immer als unvollkommener, beschädigter, zerdrückter Kreis.
Unterstreicht die Flächenverteilung Ihres Motivs den gewünschten Eindruck
der Darstellung?
Da man alle, auch sehr unübersichtlich wirkende Motive,
in Einzelflächen aufteilen kann, lernt das Gehirn des Fotografen eine
logische Struktur erkennen die die gewünschte Bildwirkung unterstreicht
und ihr nicht entgegenwirkt. Wer würde ein zerstörtes Auto anhand einer
noch vorhandenen unbeschädigten Stosstange darstellen. Nein wir zeigen
lieber die krummen Linien des zerknitterten Bleches, Das noch perfekt
runde Lenkrad interessiert uns weniger als die unregelmässigen Flächen
die sich aus abgeplatztem Lack ergeben.
Unser Gehirn ist hierarchisch strukturiert. Wir setzen Ordnung mit Positivem,
Wachstum und Zunahme gleich. Unordnung, Desorganisation bedeutet uns Negatives,
Zerfall. Was in der Realität jedoch nicht immer der Fall ist. Im Chaos
liegt die Chance für den Neubeginn, die "andere" Ordnung).
Raum, Körper, Perspektive
Realiter können wir Raum nicht im Bild finden. Er ist nur durch zwei
Dimensionen (Fläche) dargestellt.

Der Schattenwurf erst gibt einen Begriff von der Körperlichkeit
einer Sache
.Schatten schaffen Raum, aber sie können auch ein Eigenleben führen. Drehen
sie sich ruhig um nach fremden Schatten. Sie werden bemerken, wieviel
Ihnen bisher entgangen ist.
Wir sind gewohnt 2-dimensionale Abbildungen im Gehirn sofort wieder in
3-dimensionale Bilder zu übersetzen, vorausgesetzt wir können Schatten
sehen. Sind diese nicht vorhanden wird der Prozess räumlicher Vorstellung
etwas mühsamer ablaufen. Auch das kann gewollt sein. Die Wichtigkeit gut
plazierter Schatten kann aber nicht genug betont werden.
Mit was erzeugten die alten Maler ausserdem noch den Eindruck
von Räumlichkeit und Perspektive?
Mit perspektivischer Verzerrung,
mit verschwimmen, undeutlich werden,
mit Helligkeitskontrast (z.B. bei Gebirgen mit verblauen und verblassen
der entfernteren Gebirgszüge).
Diese Stilmittel lassen sich verwenden wenn wir Weite schaffen wollen.
Die
Perspektive sollte den Betrachter in das Bild hineinführen. Licht- und
Schattenzonen, Strassen und Zäune bewirken, richtig angeordnet, eine Hinwendung
des Blickes zu dem gewünschten Punkt oder zum Hauptmotiv.
Zentralperspektive: Es wird im wesentlichen das Hauptmotiv ohne Umfeld
abgebildet. Für Heiliges (z.B. Dom, Altar) wählten frühere Malergenerationen
diese Perspektive. Sie braucht direkte Sonne, wirkt wegen fehlender Schatten
leichter zweidimensional und ist gut für plakative Farben geeignet.
Die Schrägperspektive (seitlich verschobenes Hauptmotiv), zeigt mehr Umfeld,
Körper, Schatten.
Wählen Sie Fall eine Dreiteilung des Bildes, wobei sie das Motiv auf eine
der Teilungslinien plazieren (Goldener, Schnitt)
Vogelperspektive: Man schaut “von oben herab”. Alles wird klein, weniger
gewaltig oder bedrohlich. Froschperspektive: Von unten herauf: Auch Kinder
sind “überragend”!
Probieren sie solche Aufnahmen!
Zeitabläufe
Zeitablauf, Bewegung und Eile symbolisieren wir durch Wischer: Wenn
sie im Auto sitzen oder in der Eisenbahn fahren zieht der Hintergrund
langsam vorbei, der Vordergrund jedoch schnell (Telegrafenmasten). Er
wird dadurch undeutlich und verwischt. So kann die Illusion der Zeit erzeugt
werden. Soll das Motiv jedoch scharf bleiben (Radrennen, Motorsport) so
kann man ebenso den Hintergrund wischen und den Vordergrund scharf lassen.
Das entspricht in unserer Wahrnehmung etwa der Kopfbewegung bei gleichzeitiger
Fokussierung des Auges auf das Motiv. Erreicht wird dies durch mitziehen
der Kamera.
Es macht einen grossen Unterschied ob sich Motive quer zur Kamera oder
auf die Kamera zu bewegen. Im ersten Fall ergibt sich der Wischer einfach,
im zweiten Fall bleibt die Schärfe länger erhalten.
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